2009 habe ich mein Informatik Studium an der Universität Paderborn begonnen. Damals mit einem Stipendium von Siemens, für das deutschlandweit nur 18 Menschen ausgewählt wurden. Rückblickend war das eine riesige Chance. Und ehrlich gesagt auch ein Privileg.

Das Stipendium war verbunden mit einem Studium der Informatik mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften. Dazu kamen Praxisphasen bei Siemens IT Solutions and Services, später Atos. Diese Zeit hat mich geprägt. Ich habe unglaublich viel gelernt, viele unterschiedliche Bereiche gesehen und früh verstanden, dass Technologie nie nur aus Code, Architektur und Systemen besteht. Technologie wirkt immer in Organisationen hinein. In Prozesse. In Menschen. In Entscheidungen.

Trotzdem habe ich mein Studium damals kurz vor der Bachelorarbeit abgebrochen. Oder genauer gesagt: Ich habe die Bachelorarbeit abgebrochen. Es war ein Thema, das mich nie wirklich gepackt hat. Dazu kam Frust. Und irgendwann war der Einstieg in den Beruf konkreter, greifbarer und einfacher als der letzte Schritt zum Abschluss.

Also bin ich nach München gegangen und habe bei Siemens angefangen zu arbeiten.

Seitdem war dieser Gedanke immer da: Irgendwann machst du das nochmal. Irgendwann bringst du es zu Ende.

2026 war dieses Irgendwann plötzlich da.

Ein großer Teil davon ist meiner Frau zu verdanken. Sie hat irgendwann sehr klar gesagt: Jetzt mach das. Schreib die Uni an. Frag, wie du wieder einsteigen kannst. Nicht irgendwann. Jetzt.

Also habe ich genau das getan.

Und ich habe es seitdem nicht bereut.

Was mich überrascht hat: Wie viel sich verändert hat. Nicht nur in der Technologie selbst, sondern auch in den Inhalten des Studiums. Natürlich gibt es weiterhin Grundlagen, die zeitlos sind. Algorithmen, Mathematik, Sicherheit, formale Modelle. Aber daneben sind Themen stärker geworden, die heute enorm wichtig sind: Datenschutz, Ethik, KI, gesellschaftliche Auswirkungen von Informatik, IT-Sicherheit, Daten, Verantwortung.

Es ist erfreulich zu sehen, dass die Universität Paderborn hier wirklich mit der Zeit gegangen ist.

Für mich fühlt sich das Studium heute ganz anders an als damals. Ich komme nicht mehr als junger Student, der erstmal herausfinden muss, wo sein beruflicher Weg hingeht. Ich komme mit vielen Jahren Berufserfahrung zurück. Mit Kundenprojekten, Unternehmensaufbau, Führungserfahrung, politischem Engagement und einer sehr konkreten Vorstellung davon, welche Rolle Technologie in unserer Gesellschaft spielt.

Das macht vieles leichter. Und manches schwerer.

Leichter, weil ich viele Inhalte heute anders einordnen kann. Wenn es um Datenschutz, Kryptographie, IT-Sicherheit, KI oder ethische Fragen geht, sind das für mich keine abstrakten Themen. Ich sehe sofort die Verbindung zu Unternehmen, Verwaltungen, politischen Entscheidungen und echten Menschen.

Schwerer, weil das Studium nicht einfach nebenbei passiert. Zehn Stunden pro Woche sind schnell weg. Zwischen Kundenarbeit, Familie, Politik und allem, was sonst noch dazugehört, ist das manchmal ein ziemlicher Balanceakt.

Aber es macht mir Spaß.

Mein Alltag hat jetzt einfach noch ein paar Kontextwechsel mehr. Morgens Kundentermine zu Prozessoptimierung und KI. Danach Modulo-Rechnungen, private und öffentliche Schlüssel, Angriffe auf kryptographische Protokolle oder Hacking-Aufgaben in IT-Sicherheit. Dann wieder gesellschaftliche Fragen, Ethik, Kant und die Verantwortung von Informatikerinnen und Informatikern. Und zwischendurch Familie, Unternehmen, Politik und das ganz normale Leben.

Genau darin liegt aber auch der Reiz.

Ich habe mein Studium nicht nur wieder aufgenommen, um einen offenen Punkt in meinem Lebenslauf zu schließen. Natürlich spielt das eine Rolle. Ich möchte beenden, was ich damals auf die lange Bank geschoben habe.

Aber es geht um mehr.

Nach fast einem Jahr intensivem Selbststudium im Bereich KI, Prozessanalyse und Prozessoptimierung hatte ich Lust, wieder tiefer einzusteigen. Nicht nur über Bücher, Artikel, Videos und praktische Projekte. Sondern auch wieder universitär. Mit Vorlesungen, Aufgaben, Diskussionen, Professorinnen und Professoren, Mitstudierenden und wissenschaftlicher Auseinandersetzung.

Ich merke heute stärker denn je: Wenn wir Technologie gestalten wollen, reicht technisches Können allein nicht aus.

Wir müssen verstehen, was wir bauen. Aber wir müssen auch verstehen, was es auslöst. Wem es hilft. Wen es ausschließt. Welche Verantwortung damit verbunden ist. Und welche gesellschaftlichen Fragen entstehen, wenn KI, Automatisierung und digitale Systeme immer stärker in unseren Alltag eingreifen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Zeitpunkt jetzt richtig ist.

Ich kehre nicht einfach in ein altes Studium zurück.

Ich schaue mit neuen Augen auf ein Fach, das mich seit vielen Jahren begleitet.

Und vielleicht ist das der eigentliche Wert dieser Entscheidung: Technologie noch einmal grundsätzlicher zu durchdenken. Nicht nur technisch. Sondern menschlich, gesellschaftlich und unternehmerisch.

2026 habe ich mein Informatik Studium wieder aufgenommen.

Nicht, weil ich zurück in die Vergangenheit wollte.

Sondern weil ich besser verstehen will, wie wir die Zukunft verantwortungsvoll gestalten.